Heise 17.04.2026
06:01 Uhr

heise+ | Im Labyrinth der Moderne: Jacques Tatis Herrliche Zeiten im 4K-Heimkinotest


Criterion restauriert Tatis Mammutfilm in 4K. Wir vergleichen UHD, Blu-ray Disc und Stream – und prüfen, ob sich der Import fürs Heimkino lohnt.

heise+ | Im Labyrinth der Moderne: Jacques Tatis Herrliche Zeiten im 4K-Heimkinotest

Der französische Filmemacher Jacques Tati wurde Mitte des vorigen Jahrhunderts vor allem durch seine Figur Monsieur Hulot berühmt. Mit dieser Mischung aus Charlie Chaplin und Mr. Bean nahm der Pantomime die Auswüchse der Moderne aufs Korn. Der Film „Tatis Herrliche Zeiten“ (PlayTime) entstand 1967 auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Tati setzte sein ganzes Vermögen aufs Spiel, ließ Häuserblocks und Straßen errichten und drehte auf 65 mm – ganz großes Kino.

Doch der Film war seiner Zeit weit voraus und floppte. Erst über die Jahre erkannten Kritiker und Publikum, was für ein zeitloses Juwel Tati hier geschaffen hatte. So wie Chaplin 1936 in „Moderne Zeiten“ mit der Fließbandproduktion des Fordismus abrechnete, seziert Tati hier 30 Jahre später die sozialen Folgen einer gleichförmigen, technokratischen Architektur, die Menschen einem Raster aus Glas und Stahl unterordnet. Es ist eine pointierte Analyse und Kritik, die mehrmaliges Anschauen belohnt und in puncto Detailversessenheit in einer Liga mit „2001 – Odyssee im Weltraum“ von Stanley Kubrick spielt. Deshalb stellt der Film enorme Ansprüche an die Bild- und Tonqualität.

In den USA hat Criterion den Film jetzt erstmals in einer 4K-restaurierten Fassung auf einer regionalcodefreien Ultra HD Blu-ray Disc (UHD) veröffentlicht. In unserer umfangreichen Analyse prüfen wir, wie gut die neue, nur als Import verfügbare 4K-Restauration dem Film gerecht wird, oder ob die bisherigen Veröffentlichungen auf Blu-ray Disc und im Stream auf Apple TV/iTunes bereits genügen. Bevor wir ab Seite 3 die Bild- und Tonqualität – Tati setzte damals auf eine aufwendige Mehrkanaltechnik – genauer untersuchen, beleuchten wir zunächst, mit welcher Besessenheit der Franzose dieses Großprojekt umsetzte. Es ist in der Filmgeschichte beispiellos und schärft bis heute den Blick auf die Entfremdung der Menschen durch Technik und Architektur.